Prezident

Von Prezident waren wir gefesselt, seitdem wir ihm das erste Mal aufmerksam zugehört haben, das war 2008, und wir fragten ihn kurz danach nach einem Interview, das ihr hier noch hören könnt.

Einer seiner Songs, HipHop Hemingway, flog einer dunklen Erinnerung nach zwar vorher schon einmal auf einem Sampler vorbei, aber blieb damals aus unerfindlichen Gründen noch nicht hängen. Das ist nur mit dem Mangel an besagter Aufmerksamkeit zu erklären, da man beim richtig Zuhören unweigerlich mitgerissen wird von der Kunstfertigkeit, die er inne hat, während er mit Worten jongliert. Und was zu sagen hat er noch dazu auf atmosphärisch dichten Beats. Was will man mehr?

Aphorismen zeichnen sich v.a. dadurch aus, dass mit einem einzigen oder nur wenigen Sätzen das gesagt wird, wofür Ottonormalsterblich ganze Bücher braucht, wenn er denn überhaupt schreiben kann. Nietzsche nannte Aphorismen gar „Formen der Ewigkeit“. Das sind eigentlich keine Sätze, die einem mal so locker leicht zufliegen, bei Prezident fragt man sich aber, ob er nicht sogar in diesen Sätzen denkt, da viele seiner Songs von Aphorismen nur so durchwachsen sind.

Obwohl er während den paar bisherigen Treffen einen eher ruhigen Eindruck machte, lässt er in den Songs einen sehr persönlichen Einblick in seine Seele zu, öffnet sich in ihnen, vielleicht kann er dadurch ja aus einer Art kollektivem Wortrepertoire schöpfen. Man weiß es nicht.

Kurz gesagt können ihm lyrisch und stilistisch nur wenige unserer Zeitgenossen das Wasser reichen, jedenfalls die rappenden. Man konnte beim Verfolgen seines Werdegangs auch regelrecht dabei zuschauen, wie er bundesweit immer mehr Köpfe erreichte, was kein Wunder ist, da sich eine solche Qualität früher oder später einfach durchsetzen musste und sich sicher auch weiterhin durchsetzen wird.

Seit einigen Jahren tritt er immer gemeinsam mit den Kamikazes auf. Deren Output harmoniert auch wunderbar mit dem von Prezident, da auch die Kamikazes ausgefallene Blüten an den weniger sonnenlichtgetränkten Zweigen des Lebensbaums austreiben lassen. Unweigerlich fragt man sich beim Hören, ob Wuppertal wirklich so ein Drecksloch ist, freut sich aber gleichzeitig, dass das Drecksloch uns vielleicht genau dadurch so guten Rap beschert.

Die meisten Beats haben eine rauhe, leicht düstere Atmosphäre, manchmal mit nem Ticken Melancholie, manchmal einem leicht bedrohlichen Unterton, passend zur Absackerstimmung, die den Großteil der Songs dominiert. Ab und an wird es auch mal aggressiver. Trotz aller Düsternis, Melancholie und Desillusion fehlt dem Ganzen aber nicht die Romantik, denn die Songs lassen einen nicht in ein Grau-in-Grau tauchen, sondern vermitteln durchaus eine farbenfrohe Stimmung, nur sind die Farben eben etwas dunkler und verwischter ineinander fließend.

Wir haben bald schon das dritte Mal das Vergnügen sie hier in Nürnberg vorstellen zu dürfen, nach der Ghettoblaster Jam 2009 (damals noch ohne die Kamikazes) und einer der Ghettoblaster Chillt Sessions im Jahr 2013, präsentieren wir kommendes Jahr den Tourstop zur nächstes Jahr erscheinenden Scheibe „Limbus“ in der Muz.

Prezident und die Kamikazes werden da gemeinsam mit Drunkn Masters und Hinz & Kunz vom SBK-Basement und den Nürnbergern Tanguy und Bobby Prime live zu erleben sein. Den Einstieg machen Nino Berry und Audiokonzept. Haltet euch das Datum frei und schaut vorbei, wenn ihr ein Konzerterlebnis haben wollt, das etwas tiefer geht.

Checkt Prezidents Webseite ab, da gibts reichlich Freedownloads, über 1 Gigabyte. Außerdem findet ihr bei Youtube auch viele Videos. Zu den Kamikazes schreiben wir noch gesondert was.

 

 

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