DJ T-Low

Interview mit DJ T-Low v. 8.10.2016

DJ T-Low hat einen Text über sich verfasst, den man besser nicht schreiben kann, daher stellen wir ihn einfach eins zu eins so rein…

Ich bin T-Low, Baujahr 1974 aus Nbg-Langwasser. Ich kam zum Hip Hop über meinen sieben Jahre älteren Bruder, ca 1983/84. Er hatte Mixtapes von befreundeten Club-DJs zuhause laufen. Die harten Beats waren für mich etwas neues, außergewöhnliches, das hat sich von den Funk Nummern der Tapes abgehoben. Da waren Tracks wie Rockmaster Scott’s „Request Line“ oder Unknown DJ’s „Let’s Jam“, die mich fasziniert haben. Und er hatte sich damals das Album „The Message“ von Grandmaster Flash & The Furious Five gekauft, welches bei ihm ständig lief. Das Stück Vinyl steht heute immer noch in meinem Regal.

Dann war da zu der Zeit noch der Breakdance Hype, durch Filme wie Beat Street und Breakin‘. Ich hatte mich dann nach und nach auch intensiver mit den Lyrics beschäftigt und insbesondere die Reality Raps von Melle Mel haben mich inspiriert, ab 88/89 eigene Reime über meine Freundesposse zu schreiben.  Über unseren Alltag in der Siedlung, über Basketball und was wir sonst so getrieben haben. Von Geld aus Ferienjobs habe ich mir meine ersten Plattenspieler und Mischpult gekauft, nach und nach einen Vier-Spur-Rekorder, Drumcomputer und kleinen Sampler.

Ein älterer Bekannter aus der Nachbarschaft (DJ 2EZ-Cut), der damals DJ in der GNL-Schuldisco war, hat mir die ersten Scratch-Griffe und Mix-Kniffe beigebracht. Gemeinsam „spielten“ wir die Scratches ein für eine frühe Version des Songs „Waiting for the right time“ von T.T. Fresh. Ein damaliges Highlight waren die Ghettoblaster Radiosendungen damals samstags (3 Stunden!), wo wir zu späterer Zeit auch das ein und andere Mal live geladen waren). Ich habe ich mich dann mit einem Kumpel (Cool Fade) zu „Dope Clan“ zusammengetan. Wir waren fast Tag und Nacht am Cuts üben und hatten ein ziemlich hohes Niveau erreicht, so dass sich auch damalige lokale DJ-Größen, wie DJ Turntable Tech und DJ Froggy mit uns batteln wollten.

1990 stand eine erste Hip Hop Jam für uns an, damals im Jugendtreff Schlossäcker in der Südstadt. Dazu holten wir uns Verstärkung am Mic durch zwei GI’s, die in Zirndorf stationiert waren: MC Juice aus Brooklyn und MC Deak aus Philadelphia. Die Performance war ein voller Erfolg. Die beiden MC’s verloren wir aufgrund der US Army Operation Wüstensturm und deren Verlegung an den Golf wieder aus den Augen. Fade und ich machten weiter, hatten nun auch eine TR-808 am Start. Weitere Auftritte folgten, u.a. Zweimal in der Discothek Trend in Postbauer-Heng. Ab 1993 wechselten wir zu Lyrics und Raps in deutscher Sprache. Wir wollten, dass uns unsere Leute im Viertel (für die unsere Botschaften hauptsächlich bestimmt waren) besser verstanden. Schon 1990 hatte uns Deak vorgeschlagen, doch zweisprachig zu flowen, ähnlich wie es Kid Frost mit englisch-spanisch tat. Wir fanden damals die Zeit nicht reif dafür.

Nun in 1993 stiegen Gigo und Chris mit Biss mit ein und wir nannten uns Low Society und nahmen sogleich unser erstes Tape auf (Partner im Reimen). Wir waren einige Jahren auf vielen Jams in der Gegend unterwegs, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg, Regensburg etc. – mit Line Ups wie den Beginnern, MB 1000, 5 Sterne Deluxe, Boulevard Bou, Karakan etc. Für letztere tätigte ich 1995 die Scratches auf ihrem Track „Hani Bana Para“, veröffentlicht auf dem „Cartel“ Album. Wir selbst, Low Society, veröffentlichten ein CD Album zusammen mit Alarmstufe Rot und Kan Ve Ter, als Low Noise Clique (demfunkseidank) und schafften es auch, einige lokale Hymnen an den Start zu bringen, wie „Lass den Hund raus“ oder „Tagein tagaus“. Ein Plattendeal mit einem Independent Label platzte in letzter Minute aufgrund deren Insolvenz.

Es folgten weitere musikalische Zusammenarbeiten (mit Mike Marshall, Vernon Da German, Dark Romeo, Touched By Sound, Shemrok, etc). Zu jener Zeit arbeitete und produzierte ich viel mit und für andere lokale Künstler, wie Weapon X (Madrush & Stoneyman), Kan Ve Ter, Orkan Gazi etc. Dann wurde es aus privaten Gründen mehrere Jahre still und ich zog mich aus dem aktiven Hip Hop Leben zurück.

Erst 2004, als ich mit der Gangsta-Rap-Legende Big Prodeje von South Central Cartel in Kontakt kam, wurde in mir das Feuer neu entfacht. Ich produzierte einen Track seines Solo Albums, konnte ihn als Collabo-Partner für Shemrok’s Single gewinnen und tat mich mit EZB zu Noctone zusammen. Wir hatten mit Buddha Monk einen Track auf einer CD-Beilage des deutschen Hip Hop Magazins „Juice“.

Nach und nach packte ich auch die Turntables wieder aus und fing an, in Bars, Clubs und eigenen Events der Region aufzulegen, was ich bis heute beibehalten habe. Die musikalische Aktivität ließ ich in den letzten paar Jahre nur zäh aufklimmen, was sich nun aber wieder ändern wird. Neue Projekte stehen in der Pipeline, worauf ich mich sehr freue.
T-Low, Januar 2016

Checkt T-Lows Soundcloudseite ab, klickt außerdem hier um auf das Video zu „lass den Hund raus“ zu kommen. Das lässt sich leider nicht auf dieser Seite einbinden.

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